Donnerstag, 15. Januar 2015

Rezension: Ein Cowboy am Nord-Pol









Kerstin Ruhkieck, Jahrgang 1979, schreibt Geschichten, seit sie einen Stift halten kann. Sie schreibt Psychothriller für Erwachsene und Jugendbücher, beides Genre, die sie selbst gerne liest. Nachdem das Leben einige Stolpersteine für sie bereitgehalten hatte, holte die Autorin ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach und studierte einige Zeit Deutsche Sprache und Literatur in Hamburg. Gegenwärtig arbeitet sie am dritten Teil der "The Infinite Pain Trilogy". Kerstin Ruhkieck ist verheiratet und hat zwei Söhne.




 Vielleicht hätte sie ihn einfach springen lassen sollen ...

Niemand liebt Jakob Pol. Auch Nora Nord nicht. Dennoch tischt sie ihm diese Lüge auf und gesteht ihm ihre Liebe, damit er sich nicht vom Schuldach stürzt! Und plötzlich ist sie mit ihm in einer "Beziehung", auch wenn er keinen Hehl daraus macht, dass er sie hässlich findet. Aber vielleicht kann ja die schöne Allia Nora den Freund ausspannen!?
Den Beleidigungen und Gemeinheiten zum Trotz, beginnt Nora zu ahnen, dass der selbstgefällige Einzelgänger mit den Cowboystiefeln nur eine Maske trägt, um den wahren Jakob dahinter zu verbergen. Warum ist er, wie er ist, und ist er vielleicht doch ganz anders, als sie glaubt?

Ein Anti-Märchen. 



Ich habe lange überlegt, wie ich in meiner Rezension dem Buch gerecht werden kann, was mich bis spät in die Nacht für sich einnahm und gnadenlos seine volle Aufmerksamkeit forderte. Sowohl Nora, die mir ans Herz wuchs wie eine Seelenverwandte und auch Jakob, der es auf seine ganze eigene Art und Weise schaffte, mein Interesse in Form einer gewissen Hass-Liebe zu wecken.
Doch gehen wir weiter ins Detail: Jeder der beiden hat sein Päckchen zu tragen und eine Vergangenheit, die ihn prägt.
 
Faszinierend war dabei zu erleben, wie nackt die Autorin die beiden Hauptcharaktere darstellt. 
 
Nein, sie waren natürlich angezogen, aber das Buch an sich war von vorne bis hinten ein einziger Seelenstriptease, der mich als Leserin mit all seinen Ecken und Kanten vollständig überrumpelt hat. Nora ist nicht hübsch, sie ist durchschnittlich und trotzdem war sie in meinem Kopf immer die hübscheste zwischen all den anderen Nebenfiguren. Die Autorin zeigt, was geschieht, wenn uns unser Gegenüber einen Blick in seine Seele erlaubt und dadurch alle Äußerlichkeiten nebensächlich werden. Das genaue Gegenteil bildete Jakob, der deutlich als gutaussehend dargestellt wird, aber in meinem Kopf zeitweise so hässlich war, dass ich meine Finger in meinen Reader verkrallt und ihn wuterfüllt angestarrt habe. Sicherlich haben sich schon viele daran versucht einen wahren Bad Boy zu schaffen, doch bei Jakob ist Kerstin Ruhkieck ein wahres Meisterwerk gelungen. 
 
Er ist fies, gemein, unfair und egozentrisch. Und das - wie es scheint - bis in die letzte Faser seines Körpers. 
 
Dennoch übte er nicht nur auf Nora, sondern auch auf mich eine ungemeine Anziehung aus. Da war etwas Tieferes, viel Vielschichtigeres, als er uns anfänglich zeigen wollte.
In dem gesamten Buch begleiten wir Nora auf der Suche nach diesem etwas und entblättern nach und nach die Schichten von Bosheit, unterdrückter Wut und Selbsthass, bis wir schließlich irgendwo da drinnen den wirklichen Jakob entdecken.
Das Faszinierende am Ende ist eigentlich, dass selbst wenn aus Jacks Mund immer noch Gemeinheiten kommen, wir selbst in der Lage dazu sind die Worte hinter den Worten zu verstehen. Die Autorin lässt uns so tief eintauchen, dass man sich, nachdem man die letzte Seite gelesen hat, seelisch komplett durch den Wolf gedreht fühlt. Kein Wunder nach dieser wahren Gefühlsachterbahn. 
 
Stellt euch drauf ein wütend zu sein, traurig, betroffen und eventuell sogar ein paar Tränen zu verdrücken. 

Leider kommt bei guten Büchern das Ende immer viel zu schnell. Und so verließ mich der Cowboy, kaum hatte ich die Tatsache verarbeitet, dass es auf das Ende zuging. So lag ich mitten in der Nacht in meinem Bett, starrte an die Decke und versuchte zu verstehen, warum die Geschichte mich so mitgenommen hat. Die Grundsubstanz der Story ist wohl wie viele Romane auch, doch sind es die Figuren, die ihn zu etwas Besonderen machen. 
 
Im Nachhinein gibt es wohl zu sagen, dass einfache Liebesgeschichten etwas für Anfänger sind und die Welt viel mehr von diesen komplizierten, unter-die-Haut-gehenden, schmerzhaft-schönen braucht. 
 


Ein Seelenstriptease der besonderen Art, bei dem ich auf jeden Fall davon abrate in den späten Abendstunden mit dem Lesen anzufangen.
 


Natürlich 5 von 5 Federn, schließlich hat es mich so sehr bewegt, dass ich unbedingt an den PC musste, um endlich mal wieder eine Rezension zu verfassen!



So, jetzt zu euch. Habt ihr die Geschichte vom Cowboy am Nord-Pol schon gelesen? Wie habt ihr euch danach gefühlt?

Allerliebste Grüße
 
(Die Rechte am verwandten Bild- und Textmaterial liegen alleine bei der Autorin)

1 Kommentar:

  1. AAAAAAAHHHHHHHHHHHHHH!!

    Wir wussten, dass dir dieses Buch auch zusagen wird! Es ist wirklich sooo toll geschrieben! Und deine Rezi auch. Ich hab grad Lust, das Buch noch mal zu lesen.
    Es ist manchmal echt erstaunlich, auf was für echt hammergeile Geschichten man eigentlich stößt, wenn man nicht damit rechnet. Hoffentlich finde wir noch viele so kleine Schätze in der weiten Welt der Bücher. :-D

    LG
    Tilly

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