Sonntag, 7. September 2014

Rezension: Conny und die Sache mit dem Hausfrauenporno








Dorothea Stiller, 39, arbeitet als Lehrerin für Deutsch und Englisch und
schreibt, wann immer sie dazu Zeit findet. Die verheiratete Mutter von zwei
kleinen Kindern lebt mit ihrer Familie und Katze Schnappi am Rande des
Ruhrgebiets, fühlt sich aber auch in Großbritannien zuhause, wo sie ein Jahr
als Assistant Teacher verbrachte. Die Autorin liebt Finnland, Desert Rock
und ist ein Serien-Junkie. 



 Conny, 37, alleinerziehende Lehrerin aus Hamburg, hat ein Geheimnis: Unter dem Namen Cecil Elliott veröffentlicht sie Erotikromane für Frauen. Aber ihr Verlagschef will ein männliches Gesicht hinter dem Pseudonym. Ab sofort gibt sich ein attraktiver Enddreißiger als Autor ihrer Romane aus. Der Plan geht auf, die Leserinnen sind begeistert. Doch Conny fühlt sich verraten. Das sind schließlich ihre Bücher! Gut, dass es da noch ihren heißen Online-Flirt Christian gibt. Doch dann bekommt Conny plötzlich Drohbriefe. Was für ein Chaos! Sie merkt, dass das Leben voller Überraschungen ist.




 Lasst euch entführen in einen Ort kurz vor Hamburg. Wie streifen gemeinsam durch eine schöne Wohngegend, eine Flasche Crémant in der Hand und ich führe euch zu einem Mehrfamilienhaus. Ich lächle vielsagend, bevor ich mich den beschrifteten Klingelknöpfen zuwende. Suchend gleiten meine Finger über die Namen, bis sie schließlich bei »Mayer« verharren. Ich schenke euch ein vielsagendes Grinsen:

 »Jetzt geht‹s los Mädels«. 
 
Ich betätige den Klingelknopf und sofort ertönt der Summer, die Tür lässt sich öffnen und gewährt uns Einlass in Connys Welt.
Und da sind wir nun: inmitten von Connys Freundinnen, in ihrem hektischen Leben, wo es ihr zwischen Kind, Kegel und Job gelingt, sich als Autorin zu verwirklichen. Und gerade in den Momenten, wo es eben um diese schriftstellerische Verwirklichung geht, bringt sie das zweite Herz in Winifreds Brust heftig zum Schlagen. Nämlich das, welches sich selbst der Schriftstellerei verschrieben hat. Es gab Momente, da war ich Conny und Conny war ich. Ich habe mich mit ihr über den arroganten Verleger geärgert, mit ihr über das Prokrastinieren geschmunzelt und mir gemeinsam mit ihr fest vorgenommen heute mindestens 5000 Zeichen zu Papier zu bringen.
Das gesamte Buch ist sehr dialogreich gestaltet, was mir an sich immer ausgesprochen gut gefällt.
 Doch ab Mitte des Buchs sorgte eben diese Besonderheit für leichtes Stocken in der Geschichte. Viele Dialoge ließen die Erzählung nur häppchenweise voranschreiten, teilweise sogar stagnieren, beinahe so als müssten wir der Autorin die Einzelheiten aus der Nase ziehen. Doch nichtsdestotrotz waren die Parallelen, die sich zu »Sex and the City« ergaben, eben durch die charmante Mädels-Clique, durchaus mitreißend.
Ebenso gelang es auch Connys bezaubernden Kindern mein Herz zu erobern.

Allgemein ist die liebevolle Beziehung innerhalb von Familie besonders herzerwärmend und jeder Charakter wurde ausgesprochen sorgsam ausgearbeitet.
 
Die Liebesgeschichte innerhalb des Romans verläuft anfänglich schleichend und bahnt sich nur langsam an. Was mich an dieser Stelle gestört hat, sind die Telefonate zwischen Conny und Christian, die in meinen Augen viel zu kurz waren. Zwar sagen die beiden, dass sie stundenlang miteinander telefonieren könnten, dazu kommt es allerdings nie, weil Conny eigentlich immer müde und geschafft vom Tag ist oder nach fünf Minuten Telefonat etwas anderes dazwischen kommt. So habe ich es zumindest empfunden. Ich denke, einige Erzählteile hätten den Telefonaten sicherlich gut getan und hätten dem Leser das Gefühl gegeben, dass die beiden nicht nur fünf Minuten miteinander sprechen und dann hastig auflegen.

Man merkt schnell, dass der Hauptfokus der Geschichte auf Connys Leben und dem ihrer Freundinnen liegt. 
 
Eben diese Tatsache haucht dem Roman noch mehr Realitätsnähe ein.
 Denn, warum sollte sich eine Mutter von zwei Kindern, nach einer Scheidung blindlinks in eine Beziehung stürzen?
Zwischenzeitlich passiert in Connys Leben ziemlich viel auf einmal und bei einem Abschnitt befiel mich leider das Gefühl, als wäre eine Handlung eingeschoben und der Roman wäre nicht weniger interessant gewesen, wenn der Teil mit Connys Nachbar und seiner Freundin einfach unter den Tisch gefallen wäre.
Die große Überraschung am Schluss habe ich ehrlich gesagt schon diverse Seiten vorher erahnt, was jedoch mein Glücksgefühl am Ende des Buchs nicht minderte. Ich muss sagen, dass es äußerst selten vorkommt, dass das Ende eines Buchs wirklich gelungen ist. Die meisten sind okay, viele sind in Ordnung und unzählige hinterlassen einen unbefriedigt. Doch bei diesem hier war alles »rund«. Das Timing hat gestimmt, alles wurde aufgeklärt und es hat mir ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert.

 Danke, für das schöne Ende, liebe Autorin! 
 
Die Absätze im Schriftbild waren eigensinnig gestaltet, haben jedoch nach kurzer Eingewöhnphase, keinerlei Probleme beim Lesen bereitet. Ich bin ja immer offen für Neues! 




"Conny und die Sache mit dem Hausfrauenporno" ist ein schöner Frauenroman, der weniger mit Porno zu tun hat, als der Titel ahnen lässt. Wer auf »Sex and the city« steht und spritzige Frauenromane liebt, für den sind Conny und ihre Freundinnen genau das Richtige.



 Trotz ein paar Längen in der Mitte hat der dialogreiche Roman mir doch gefallen. Ein paar kleine Kritikpunkte hatte ich anzubringen, welche das Ende jedoch entschädigte. Ich komme auf vier von fünf Federn. Drei wären aufgrund des für mich sehr angenehm zu lesenden Schreibstils einfach zu wenig und fünf zu viel in Anbetracht meiner Kritikpunkte.





 Ich danke der Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares und merke an dieser Stelle an, dass die Rechte am verwendeten Bild und Text bei Verlag und Autorin liegen. 



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