Donnerstag, 4. September 2014

Rule No. 3: Ironie ist fehl am Platz






 


An dieser Stelle muss ich etwas weiter ausholen. Natürlich klingt die Aussage vollkommen verständlich und klar formuliert, verbirgt sich jedoch dahinter ein etwas komplexeres Thema. Und bereits in den ersten Sätzen korrigiere ich diese Aussage und verbessere sie zu »Ironie ist nicht immer fehl am Platz«. Es gibt Möglichkeiten Ironie und Sarkasmus als Stilmittel einzusetzen und in dem Fall ist das Maß das entscheidende um die Rezension zum Positiven reifen zu lassen. Um zu verdeutlichen was ich damit meine, möchte ich an dieser Stelle bereits ein Beispiel einfügen.










Beispiel mit Ironie und Sarkasmus:

»Natürlich beherrschte sie die Fähigkeiten innerhalb weniger Minuten, wie auch sonst, wo sie doch bisher bereits eine 1-tägige Einweisung durch den Magiermeister erhalten hatte. Es überrascht an dieser Stelle auch nicht, dass sie sich unverzüglich als Klassenbeste herausstellt und gleich am darauffolgenden Tag den Drachenorden für ihre außergewöhnlichen Leistungen bekommt. Sie freut sich so sehr, dass sie dem, ihr bis dahin noch vollkommen unbekannten Mitschüler, um den Hals fällt und ihn - welch Überraschung - küsst und sie in der darauffolgenden Woche ein Paar werden. Unser Glückskind hat aber auch wirklich einen Dusel.«


Beispiel ohne Ironie und Sarkasmus:

»Die zahlreichen Logikfehler in der Geschichte sorgten dafür, dass das Lesen zur Tortur wurde. Weder war es für mich nachvollziehbar, warum sie innerhalb kürzester Zeit die Magie beherrschte, noch erklärte sich mir, wie sie so plötzlich mit dem Schulschönling zusammenkam. Der Autor hat hier weder die genauen Zusammenhänge erklärt, noch hat er entsprechend ihrer anfänglich beschriebenen Motivationen gehandelt. Sehr unglaubwürdig.«




Ich bitte euch das Thema Spoiler in diesen Beispielen außer Acht zu lassen. Ich möchte nur den Unterschied verdeutlichen. Außerdem ist die Geschichte natürlich rein fiktiv und ich beziehe mich auf keinerlei real existierendes Beispiel-Buch.

Es ist nicht schwer zu übersehen, dass es sich um eine reine Negativ-Rezension handelt. Das ist zumeist der Bereich in dem Sarkasmus und Ironie Einzug hält. Wenn wir also diese Tatsache außer Acht lassen und uns rein auf die Rezensionen konzentrieren, dann fällt uns höchstwahrscheinlich auf, dass die Rezension mit Ironie und Sarkasmus etwas »milder« ist als die Zweite, die kühl die Fakten auf den Tisch knallt. 









Das bedeutet in letzter Konsequenz, dass eine mit Ironie und Sarkasmus gespickte Rezension durchaus unterhaltsam sein KANN und die negative Kritik in ein tragbares Kleid hüllt. Ich sage bewusst KANN, denn wo Positiv-Beispiele sind, da gibt es auch Negative.

Man sollte es in JEDEM Fall vermeiden seine ironischen Kommentare auf den Autor zu richten, denn ab diesem Punkt wird angewandte Ironie unsachlich und auch beleidigend. Vergesst nicht, dass wenn ich mit jemandem spreche, Ironie stets von Gestik und Stimmlage begleitet wird. Wörter sind kühl und wiegen schwer auf Papier und können daher nicht so leicht durch ein Augenzwinkern oder ein Lachen abgemildert werden. Auch hier bekommt ihr ein Beispiel von mir:









Beispiele falsch gesetzter Ironie:

»Lieber, Autor, wenn Sie die Schule besucht hätten, wüssten Sie...«

»Da es dem Autor erstaunlich schwer fiel ein A von einem B zu unterscheiden, musste ich mehr lachen als mir lieb war.«

»Natürlich war das Haus über 700 Meter hoch. Ich bin mir sicher, der Autor baut in seiner Freizeit auch ständig mehrere Kilometer hohe Häuser.«

»Ich war äußerst überrascht, mit welchem Ausmaß an Intelligenz und sprachlichen Fähigkeiten der Autor die Fehler in seinen Texten verpackte.«


Ich denke, hier wird recht schnell klar, wie Ironie in Rezensionen zu Beleidigungen umschlagen kann. Niemand möchte sich sagen lassen, dass er wohl nicht die Schule besucht hat und niemand möchte wegen Fehlern, die er gemacht hat, persönlich ins Lächerliche gezogen werden. Wir sind schließlich alle nur Menschen und das, was wir kritisieren wollen, ist nicht der Mensch, sondern das Werk. Und das in einem sachlichen, nachvollziehbaren Tonfall.









 In erster Linie überlegen, ob ich das Stilmittel Ironie tatsächlich einsetzen möchte oder nicht. Mit Humor ist es wie mit Ironie. Nur weil ich etwas zum Schreien komisch finde, muss sich das nicht auf den Empfänger der Rezension beziehen. Falsch gesetzte Ironie kann durchaus einen böswilligen Eindruck machen und man braucht ein dickes Fell, wenn man das Echo dazu in Empfang nimmt. Wägt man dies ab und wendet sie wie im oben genannten Beispiel an, dann steht dem nichts im Weg und es ist auch durchaus rechtmäßig auf diese Art und Weise eine unterhaltsame Rezension zu verfassen. 





Ironie kann ein gelungenes Stilmittel sein, wenn man sie einzusetzen weiß. Sie kann negative Rezensionen abmildern und unter Umständen sogar Aufmerksamkeit auf das Werk lenken. Dennoch ist sie mit Fingerspitzengefühl und Vorsicht zu genießen und ich empfehle allen, die unsicher sind, sie vollständig zu meiden. Es gibt Alternativen, die sachlicher und sicherlich auch härter klingen, aber dennoch sinnvoller sind als Rezensionen, die schlecht platzierte, beleidigende Ironie enthalten.

Ich habe an dieser Stelle Ironie und Sarkasmus auf eine Stufe gestellt, weil ich denke, dass in einer Negativrezension sich beides so sehr gleicht, dass man es kaum voneinander unterscheiden kann.





Und jetzt zu euch! Habt ihr selbst schon mit Ironie gespickte Rezensionen verfasst? Was ist für euch falsch platzierter Sarkasmus?


Kommentare:

  1. Ironie/Sarkasmus ist sowieso immer so eine Sache, die man mit Vorsicht genießen sollte, da es doch wenn man nicht aufpasst schnell verletzend oder beleidigend werden kann.
    Wenn jemand aber die Kunst der Ironie beherrscht und es in Rezensionen einfließen lässt finde ich das immer sehr unterhaltsam.
    Aber man muss natürlich aufpassen, dass man nicht über die Stränge schlägt, wie du ja in den Beispielen schön dargestellt hast.
    Ich glaube, bis auf kleinere Kommentare habe ich in meinen Rezensionen bis jetzt nicht viel von Ironie Gebrauch gemacht. :)
    Liebe Grüße

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    1. Hallo Momo! :-)

      Das finde ich auch und ich selbst würde mich mit Ironie schwer tun eben weil es schnell beleidigend werden kann. Es macht halt schnell den Eindruck als wollte man den Autor vorführen ODER es kann auch dafür sorgen, dass das Werk noch schlechter dasteht als ohnehin schon. Ich habe Respekt vor den Schreiberlingen die es schaffen Ironie kunstvoll zu verpacken, wäre mir aber selbst unsicher :-)

      Alles Liebe
      Winifred

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  2. Bislang habe ich Ironie und Sarkasmus in Rezensionen vermieden. Sie richtig zu dosieren, um den Autor (m/w) nicht zu verletzen, war mir zu heikel. LG

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    1. Das kann ich verstehen und wie oben schon erwähnt, würde auch ich es vermutlich meiden! Die Dosis und auch die Art wie man sich ausdrückt sind sicherlich ausschlaggebend. Schweres Thema, welches mich einiges an Kopfzerbrechen gekostet hat ;-)

      Alles Liebe
      Winifred

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