Freitag, 15. August 2014

Rule No. 1: Begründungen sind das A und O






 Natürlich ist es leicht, wenn man ein Buch beendet hat, zu sagen, ob es gefallen hat oder nicht. Wenn man sich danach mit jemandem unterhält und derjenige fragt »Wie fandest Du das Buch?« dann entgegnet man im beispielsweise »Es war echt super und total spannend!«. Der Gegenüber freut sich und wird, im besten Fall, auf die eigene Empfehlung hin, das Buch erstehen und sich sein eigenes Urteil bilden. Beim Verfassen einer Rezension hingegen reicht das nicht aus. Ich gebe an diesem Punkt nicht nur eine Leseempfehlung für einen Freund oder einen Bekannten, sondern ich bewerte die Arbeit des Autors mit meiner eigenen Sicht auf die Dinge.











 Eine Bewertung, eine Kritik zu schreiben klingt groß und für die meisten einfachen Leser schlichtweg zu aufwendig, um sich damit auseinanderzusetzen (nur insgesamt zwei der fünfundzwanzig teilnehmenden Leser, die die Fragebögen ausgefüllt haben, konnten sich vorstellen überhaupt irgendwann einmal Rezensionen zu verfassen). Ich möchte versuchen ein wenig die Scheu vor dem Ganzen nehmen und einen Weg finden, wie man den Anforderungen an eine Rezension mit einfachen Mitteln gerecht werden kann.






  Stelle Dir einmal vor, Du hast ein Buch beendet und statt die Rezension zu schreiben, setzt Du Dich mit dem Autor des Buches zusammen. Ihr diskutiert, redet über die Stärken und Schwächen des Buchs und sagt, was euch gut gefallen hat, beinahe so als wäre es ein guter Freund. Ich wägt alle guten und schlechten Seiten ab und der Autor versucht Dir nahe zu bringen, was ihn zu den jeweiligen Handlungssträngen bewegt hat. Das Ergebnis dieses Gesprächs ergibt Deine Rezension. Nun, ich gebe zu es ist etwas schwerer als es in diesen einfachen Sätzen klingt, da der Dialog ausschließlich mit sich selbst stattfindet und doch denke ich, dass man, nachdem man ein Buch beendet hat, einen gewissen Eindruck von dem Autor und seiner Arbeit erhalten hat. In den folgenden Beispielen versuche ich zu erläutern, wie sich eben dieser »innere Dialog« leicht umsetzen lässt.







»Das Buch war gut und hat mich mitgerissen. Ich kann es auf jeden Fall weiter empfehlen!«



»Der Schreibstil der Autorin/ des Autors hat mich gefesselt und die Geschichte war durchweg spannend. Die Charaktere sind mir schnell ans Herz gewachsen, sodass ich mit ihnen mitfiebern konnte.«





 Ich will jetzt nicht sagen, dass das angeführte Beispiel das Optimum an Ausdruck und Wortwahl ist. Ich möchte hier einfach nur verdeutlichen, wie es mit wenigen Worten gelingt, dem Autor zu zeigen, was mir als Leser gefallen hat. Im Nachher-Beispiel sage ich dem Autor, dass mir sein Schreibstil gefällt, dass in meinen Augen die Charaktere gut ausgearbeitet sind und, dass es ihm gelungen ist, einen mitreißenden Spannungsbogen aufzubauen. Das alles geht daraus hervor ohne, dass ich mit Fachbegriffen um mich werfen musste.




»Das Buch war furchtbar! Ich habe bereits auf der Hälfte des Buches aufgehört zu lesen, weil es so schlecht war!«


»Es fiel mir schwer mich mit den Hauptcharakteren zu identifizieren und die Geschichte hat sich unnötig in die Länge gezogen. Ich musste mit dem Buch abbrechen, weil es der Autorin /dem Autor einfach nicht gelungen ist, mich in seinen Erzählungen mitzureißen.«



Ich möchte mich an dieser Stelle nicht allgemein zu schlechter Kritik äußern, sondern auch hier kurz zeigen, wie wichtig Begründungen sind. Der Autor liest die Kritik des Nachher-Beispiels und erkennt darin, dass seine Protagonisten nicht genug Tiefe für den Leser hatten, die Geschichte ihn nicht mitreißen konnte und natürlich, dass das Buch nicht beendet wurde. Wohingegen er im ersten Beispiel kaum Möglichkeiten bekommt, die geäußerte Kritik nachzuvollziehen.





 Natürlich kostet es uns einige Worte mehr, wenn wir begründen, warum uns das Buch nicht gefällt. Doch es geht eben auch mit einfachen Worten, sodass der Autor/ die Autorin meine Worte besser nachvollziehen und damit arbeiten kann. Wenn wir in einem Restaurant das Essen zurückgehen lassen, dann sagen wir ja auch nicht zu dem Koch: »Das Essen war schlecht« sondern » Es war versalzen und der Fisch war verdorben.« im Gegenbeispiel: »Das Essen war sehr lecker!« oder »Der Fisch war grandios und die Soße ein Gedicht!«. Man sollte im Hinterkopf behalten, dass man mit seinen Worten nicht nur seine Meinung äußern möchte, sondern auch etwas verändern, bewegen oder auch anerkennen möchte. In unserem Fall: Die Arbeit des Autors.







Nun ist Eure Meinung gefragt! Wie wichtig sind euch begründete Rezensionen? Fällt es euch schwer Begründungen für Eure Empfindungen bezüglich des gelesenen Werks zu finden?

Ich bin offen für Eure Worte und freue mich über Reaktionen!













Kommentare:

  1. Sehr gut geschrieben!
    Mir persönlich fällt es mal leichter und mal schwerer gut begründete Rezensionen zu schreiben. Bei meinen eigenen Rezensionen ist mir aufgefallen, dass mir Rezensionen für richtig gute und auch für richtig schlechte Bücher eher leicht fallen. Ich weiß, warum mir ein Buch sehr gut oder eben gar nicht gefallen hat.
    Probleme bereiten mir wenn meistens die durchschnittlichen Bücher. Sie waren halt gut, ließen sich schnell und leicht lesen, aber waren nichts Besonderes. Dieses "lässt sich gut lesen, aber ist nichts Besonderes" in Worte zu fassen fällt mir machmal schwer.
    Ebenso fallen mir Rezensionen zu seichten Liebesromanen manchmal schwer. Sie lassen sich leicht lesen, bekommen vielleicht sogar 5 Federn, aber oft gibt es nicht viel zu sagen. Ist schwer zu beschreiben. Liebesromane sind oft so vor sich hinplätschernd (nicht falsch verstehen, denn ich liebe genau dieses plätschern) aber für ein plätscherndes Buch quasi eine reißende Rezension zu schreiben ist schwierig.
    LG
    Yvonne

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    1. Hallo Yvonne!
      Vielen Dank! :-)
      Ja da hast Du Recht! Ich habe eben wirklich eine Weile drüber nachgedacht was ich bei einem durchschnittlichen Buch schreiben würde. Vermutlich so etwas wie "Der Schreibstil war gut nachzuvollziehen, doch trotzdem tat es mir nicht weh das Buch zwischendurch aus der Hand zu legen."
      Das Problem dabei ist allerdings das das Ganze schnell einen negativen Eindruck macht, obwohl man den ja gar nicht vermitteln möchte! Wirklich, wirklich schwer die richtigen Worte zu finden!
      Danke, dass Du mich drauf gebracht hast, vielleicht finde ich ja in einem der Artikel ja noch einmal die Gelegenheit insbesondere auf solche Rezensionen einzugehen!

      Lieber Gruß
      Winifred

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  2. Heyhey Winifred! =)

    Und ein herzliches Willkommen in der Bloggerwelt! *tröööööt*


    Ein wirklich toller Premieren-Text, ich kann dir nur zustimmen und finde begründete Meinungen auch absolut unersetzlich in Buchrezensionen. Sehr gut finde ich hier den Vergleich, den du mit dem Essen machst - es kann ja lecker sein, aber was genau hat dazu geführt, dass du so denkst? =)

    Ich bin gespannt auf deine nächsten Texte und hoffe, dass sich hier sowohl Rezensenten als auch Autoren wiederfinden werden und vielleicht auch die Seite des jeweils anderen zumindest versuchen zu verstehen =).


    Ganz liebe Grüße!

    Bianca

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  3. Biancaaaaaa! *ich drück dich*
    Vielen, vielen Dank! :-)
    Ja ich denke Essen ist generell kein schlechter Vergleich, vielleicht schaffe ich es ja ein paar Zutaten zu finden, die eine Rezension erst richtig schmackhaft machen! :-)

    Schön, dass Du mich begleitest!
    Winifred

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  4. Hallöchen :)
    Ich finde diese Idee für einen Blog total gut! :) Bin schon gespannt was es hier demnächst so zu lesen geben wird.
    Ich muss sagen, oftmals fällt es mir auch schwer meine konkreten Gedanken zu Büchern zu sortieren und in Worte zu fassen. Manchmal fallen mir gar keine speziellen Gründe ein, warum mir ein Buch gefallen hat. Es hat mir einfach gefallen, aber das sind dann meistens nicht Bücher die ich rezensiere.
    In einer Rezension sollten schon Begründungen vorhanden sein. Von daher teile ich deine Meinung :)
    Auf jeden Fall finde ich diesen Blog sehr interessant und um es auch mal zu begründen:
    Mir gefallen besonders, wie du den Artikel durch Bilder und Beispiele unterstützt hast. Das macht das Ganze amüsanter zu lesen und man kann sich besser in die Situation versetzen.
    Von daher werde ich auf jeden Fall auch deine nächsten Artikel lesen. ;)

    Liebe Grüße
    Momo

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    1. Hallo Momo!

      Schön, dass Du vorbei schaust! :-)
      Ich verstehe was Du meinst, manchmal ist es einfach so das ein Buch gut ist, ohne das man etwas Besonderes hervorheben kann. Vielleicht hilft es in dem Moment, wenn man auf den Essen-Rezension-Vergleich eingeht. Wenn mir etwas geschmeckt hat, dann hat das ja auch einen Grund und selbst wenn jede einzelne Zutat gleichermaßen geschmeckt hat, dann war es insgesamt das Zusammenspiel der einzelnen Zutaten, die das leckere Endergebnis ergeben hat. Also wäre es wohl bei einem Buch, dass einfach alles zusammen gepasst hat. Schreibstil, Spannung und die Charaktere und das sorgt letztendlich dafür, dass das Buch gut war.

      Ich freue mich, dass Dir der Aufbau der Artikel gefällt und macht mich gleichzeitig unheimlich Stolz! :-)
      Schön, dass Du mich weiter begleitest und ich freue mich auf Deine Meinung! :-)

      Alles Liebe
      Winifred

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  5. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  6. Hi Winifred!
    Mir sind begründete Rezensionen sehr wichtig.
    Zum Einen, weil ich den Lesern meiner Rezensionen mitteilen möchte, was mir an dem Buch gefallen hat und was nicht und warum das so ist.
    Zum Anderen denke ich da an den Autor, die Autorin des Buches.
    Es sind Menschen mit Gefühlen und von daher verdienen sie es wie jeder andere auch, konstruktive, begründete Kritik zu erhalten.
    Vor einer Weile bin ich bei einer Rezension an meine persönliche Grenze gestoßen.
    Das Buch, dass ich gelesen hatte, arbeitete eine reale Geschichte in Form eines fiktiven Romans auf.
    Ich versuchte zunächst einmal die fiktive Geschichte zu bewerten, was mir schwerfiel, da der zweite Teil des Buches immer noch in mir nachhallte.
    Ich schrieb über den Schreibstil der Autorin und darüber, warum ich mit der Protagonistin nicht warm werden konnte.
    Ich beschrieb was mir an der Handlung nicht gefiel (sehr konstruiert und vorhersehbar).
    Dann ging ich auf den zweiten Teil des Buches ein,
    Es war für mich schwer zu ertragen was da geschrieben gestand und vor allem wie.
    Trotzdem versuchte ich dies so taktvoll wie möglich zu Papier zu bringen und gleichzeitig meine Gedanken dazu zu Papier zu bringen.
    Eine meiner nächsten Rezensionen stellt mich erneut vor eine Herausforderung.
    Der Buchtitel und der Klappentext hatten mich sehr angesprochen und ich hatte schon viel Gutes über das Buch gelesen.
    Als ich anfing es zu lesen, empfand ich es als sehr langatmig und die Protagonistin war mir durch ihr naives, mir völlig unverständliches Verhalten absolut unsympathisch.
    Es störte mich, dass daraus seitenlange Szenen und Dialoge gestrickt wurden, die für mich keinen Sinn ergaben.
    Ich hatte das Buch im Rahmen einer Blogwanderbuchrunde gelesen, bei der alle anderen Leser des Buches ihre Eindrücke zum buch hineingeschrieben hatten.
    Am Ende zwang ich mich, das Buch zu Ende zu lesen.
    Die Protagonistin wurde mir bis dahin nur wenig sympathischer und insgesamt fehlten mir viele Hintergrundinformationen.
    Ich weiß nicht, ob ich den Folgeband lesen werde.
    Liebe Grüße, Aletheia

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    1. Hallo Aletheia! :-)

      Oh das kann ich mir lebhaft vorstellen. Ich glaube es ist allgemein furchtbar schwer eine reale Geschichte zu bewerten, denn wer möchte sich hinstellen und sein Urteil über das persönliche Schicksal eines anderen Menschen fällen. Ich denke da hast Du die sprichwörtliche "Kür" vollbracht und ich finde es super wie Du da ran gegangen bist! Das würde mich sicherlich einige schlaflose Nächte kosten!
      Nun ich glaube ehrlich gesagt, dass die wenigsten Blogger (so wie ich es bisher kennengelernt habe) GERNE schlechte Rezensionen schreiben. Im Endeffekt zählt wirklich Dein eigener Eindruck und wenn der nun einmal der ist das der Hauptcharakter Dich einfach nicht erreichen konnte, dann musst Du das schreiben. Das heißt ja nicht das das Werk schlecht ist, sondern das Du Dich selbst nicht mit der Hauptdarstellerin identifizieren konntest. Andere lieben langsazogene Dialoge und brauchen jede noch so kleine Beschreibung des Umfelds. Ich brauch das nicht. Aber deswegen ist das Buch ja nicht schlecht, nur einfach nicht meine Lektüre... ;-) Das ist mir selbst auch schon häufiger passiert und dann macht das Lesen einfach keinen Spaß mehr. Ich hatte es einmal, dass der Hauptprotagonist kein Alter hatte. Man konnte nur schätzen ob er zwischen 20 und mitte 30 ist. Die Geschichte gab nicht wirklich etwas über ihn preis. Es mag jetzt etwas albern klingen, dass ich ob die Geschichte gut oder schlecht ist, an der fehlenden Altersangabe festmache, aber MICH PERSÖNLICH hat es einfach gestört und mir das Lesevergnügen genommen. So ist jeder anders und so lange man sich bemüht Begründungen für seine Abneigung oder auch Freude zu finden ist das doch schon eine Art Tribut an die Arbeit des Autors, egal ob es mein Geschmack gewesen ist oder nicht. :-)

      Alles Liebe
      Katharina

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