Montag, 18. August 2014

Rule No. 2: Spoiler unerwünscht



Begriffserklärung Spoiler: 
Ein Spoiler (engl. to spoil, „verderben“) ist eine Information, die wesentliche Handlungselemente eines belletristischen Werks, eines Films, eines Videospiels, eines Hörbuchs, eines Sportereignisses oder Folgen einer Fernsehserie zusammenfasst und dadurch dazu geeignet ist, den Genuss am vollständigen Werk zu verderben.
Quelle: Wikipedia



 
 Gut, dieser Satz erklärt sich eigentlich großteils von selbst. Natürlich möchte ich als potentieller Leser in einer Rezension nicht vorab die gesamte Geschichte erfahren. Die Kunst beim Rezensionen schreiben ist es also, den Inhalt eines Buchs wiederzugeben, ohne den Inhalt wiederzugeben. Verwirrt? Vollkommen zu Recht. Es klingt sehr leicht pauschal zu sagen, dass Rezensionen keinen Spoiler enthalten sollte, erfordert jedoch in der Umsetzung besonderes Fingerspitzengefühl. Schließlich sind es manchmal ganz besonders die Schlüsselszenen, die man in einer Rezension hervorheben möchte.





Das bedeutet für diejenigen, die eine Rezension verfassen zwei Möglichkeiten:

Die erste Möglichkeit ist, sich lediglich auf Schreibstil, Spannungsbogen, Wortklang etc. zu beziehen, ohne das Werk wirklich anzutasten.

Die zweite Möglichkeit ist eine gefährliche Gratwanderung zwischen Klappentext und spärlich gesäter Informationen, die man selbst hinzufügt.

Es empfiehlt sich eine Mischung aus Möglichkeit 1 und 2. Die eigene Meinung ist gefragt und letztendlich sollte auf sie der Hauptfokus gerichtet sein. Also sollte ich mich als Erstes damit befassen, wie ich selbst die Geschichte fand. (Siehe Rule No. 1 incl. Begründungen). Im Anschluss kann ich mit den Informationen spielen, mit denen der Leser sich nicht die ganze Geschichte zusammenreimen kann. Zum Beispiel kann ich über die Protagonisten sprechen oder wie die Spannung innerhalb der Geschichte aufgebaut wurde. Ich habe ein Beispiel vorbereitet, um zu verdeutlich, was ich meine.




















"Julia und Josh verliebten sich schließlich endlich ineinander und einzig ihrem Cousin gelang es mithilfe einiger geschickt platzierter Gerüchte, die beiden wieder zu trennen. Der Streit zog sich über das letzte Drittel des Buchs, bis Josh schließlich ein besonderes Candle-Light-Dinner veranstaltete und die beiden endlich wieder zueinander fanden."









"Die Liebesgeschichte zwischen Julia und Josh erlebt einige Hochs und Tiefs, die sich über das gesamte Buch erstrecken. Es macht Spaß dabei an ihrer Seite zu sein und die Autorin/ der Autor hat mit seinen Worten auch mein Herz berührt."



 Ich habe den Spoiler hier sehr offensichtlich platziert. Natürlich kommt es äußerst selten vor, dass jemand so deutlich erkennbar den Inhalt des Buches verrät, aber an diesem überspitzten Beispiel lässt sich das Problem gut festmachen. Es dürfte niemandem entgangen sein, dass bei dem Vorher-Beispiel, die Lust Joshs und Julias Geschichte noch zu lesen auf ein Minimum geschrumpft ist. Bei dem Nachher-Beispiel hingegen lässt die Rezension noch alles offen. Man könnte an dieser Stelle sogar so weit gehen, dass man die Liebesgeschichte unerwähnt lässt, allerdings kommt das stark auf das Genre des Romans an. Wenn ich einen Liebesroman lese, ist es nicht zu viel verraten, wenn ich in der Rezension erwähne, dass sich eine Liebesgeschichte zwischen Julia und Josh entwickelt. Das gibt in den meisten Fällen ja schon der Klappentext her.


Es ist nicht leicht eine spoiler-freie Rezension zu schreiben und doch ist es möglich, wenn man nah an seiner eigenen Meinung bleibt. Man sollte vermeiden wichtige Geschichtswendungen oder gar das Ende vorzustellen und dennoch ein wenig Inhalt zu verraten. Das richtige Maß ist sicherlich eine Kunst, aber obliegt letztendlich auch dem eigenen Empfinden. Es gibt kein richtig und kein falsch, wenn man letztendlich selbst seine Rezension liest und nicht das Gefühl hat, dem Leser wichtige Inhalte verraten zu haben ist man definitiv auf dem richtigen Weg.






Und zu guter Letzt seid ihr gefragt! Wie geht ihr mit dem Thema Spoiler um? Fällt es euch leicht um wichtige Inhalte herumzureden?


Kommentare:

  1. Hey :)
    Ein wirklich super Post, da bin ich auch gleich mal Leser deines schönen Blogs geworden :D
    Leicht finde ich es defnitiv nicht um wichtige Inhalte herumzureden und ich muss mir öfter auf die Finger klopfen, um in meinen Rezis nicht zu viel zu verraten.
    Ich versuche es in meinen Rezis ja immer mit der zweiten Möglichkeit und versuche mich an dieser gefährlichen Gratwanderung, wie du das richtig benannt hast ... Und ich ♥ die grinsende Katze :D

    LG
    Haveny

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    1. Hallo Haveny! :-)

      Vielen, vielen Dank! :-) Ich freu mich, dass Du hier hergefunden hast!
      Ja, als ich mir Gedanken über den Artikel gemacht habe ist mir auch erst aufgefallen wie schwer es ist spoilerfrei zu schreiben! Ich würde mich auch für die Gratwanderung entscheiden, wobei das bei manchen Büchern sicherlich eine richtige Herausforderung ist!

      Jetzt grinst Winifred noch breiter und freut sich tierisch über das Kompliment! :-)

      Alles Liebe,
      Winifred

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  2. Ich bemühe mich eigentlich immer, nicht zuviel zu verraten - allerdings ist es mir trotzdem letztens passiert, dass eine Leserin meines Blogs meinte, ich hätte schon Dinge verraten, die sie lieber mein Lesen selber erfahren hätte. Upps.

    Es ist wirklich nicht einfach, die Balance zu finden! Vor allem, wenn es sonst schwer ist, die eigenen Meinung zu begründen. Man will ja zum Beispiel nicht nur sagen: Anna war mir unsympathisch, sondern: Anna war für mich eine schwierige Protagonistin, WEIL...

    Was tun, wenn das WEIL dann schon etwas ist, was man eigentlich dem Leser überlassen will? Ich versuche dann immer, es allgemein zu formulieren. Nicht: Anna lässt ihre todkranke Mutter im Stich, sondern: Anna benimmt sich selbstsüchtig und grausam, deswegen fiel es mir schwer, sie zu verstehen oder sogar zu mögen.

    Aber manchmal ist das wirklich schwer, gerade wenn sich die eigene Meinung wirklich auf ein Schlüsselereignis stützt.

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    1. Hallo Mikka,

      das ist eine super Möglichkeit Begründungen unterzubringen ohne zu spoilern! Das musste ich mir sofort notieren! Eine gute Variante spoiler-inhalte zu umgehen!
      Zeigt in meinen Augen wie viele Gedanken man sich machen muss, wenn man eine Rezension richtig angehen möchte! :-)

      Alles liebe
      Winifred

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  3. Da ich in der Rezension selbst meist nicht wirklich konkret auf Handlungsteile eingehe, sondern eher in Richtung Möglichkeit 1 gehe, glaube (bzw. hoffe) ich, dass meine Rezensionen relativ spoilerfrei sind.
    Und wenn sie doch mal Spoiler enthalten sollten gebe ich immer am Anfang der Rezension einen Hinweis darauf, dass Spoiler enthalten sind und dass Lesen auf eigene Gefahr gilt ;)
    Ich selbst hasse es über alles, wenn eine Rezension, oder auch schon der Klappentext -.-, zu viel über eine Geschichte erzählt und man eigentlich schon alles dadurch verraten bekommt.

    Wieder ein sehr schöner Post :)
    Liebe Grüße

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    1. Hallo Momo!

      Ja, das sehe ich recht ähnlich wie Du. Manchmal genügen schon kleine Schlüsselsätze um die Lesefreude zu mindern!
      Ich find auch die Idee gut, dass wenn man auf bestimmte Inhalte eingeht eine kleine Warnung vor den Spoiler setzt! Das habe ich jetzt schon häufiger gesehen und den "Spoiler-Absatz" dann einfach weggelassen!

      Vielen Dank :-)

      Alles Liebe
      Winifred

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